Jahrelang wurde auf Bundesebene verhandelt, jetzt
spitzt sich die Situation zwischen Gebietskrankenkasse und dem steirischen
Landesverband für Psychotherapie zu. Stein des Anstoßes ist der Vertrag über
Psychotherapie auf Krankenschein. Nach Ansicht der steirischen
Psychotherapeuten ist sich die Gebietskrankenkasse (GKK) mit einem
oberösterreichischen Verein darüber einig, ihm die psychotherapeutische
Versorgung in der Steiermark zu übertragen - "ohne dass mit uns je ernsthaft
verhandelt wurde", wie der Steiermark-Vorsitzende, Paul F. Paß, kritisiert.
Die Konsequenz: In den nächsten Tagen werde der Landesverband eine Klage
einbringen, um eine "einstweilige Verfügung gegen diesen Schritt der GKK zu
erwirken", kündigt Geschäftsführer Erich Christian Schenk an. Mit einem
Schreiben umwerbe der oberösterreichische Verein bereits alle 550
Psychotherapeuten der Steiermark, "als Mitarbeiter in einem
Angestelltenverhältnis für die Grundversorgung der steirischen Bevölkerung".
Sollte diese Lösung mit einem oberösterreichischen Anbieter zustande kommen,
"ist das ein Feigenblatt, aber kein Angebot im Sinne der psychisch kranken
Bevölkerung".
Kassenobmann Erwin Spindelberger kann die Erregung der
Psychotherapeuten hingegen nicht nachvollziehen. "Wir haben keinen Vertrag
abgeschlossen, sondern den Verein gebeten, ein Grobkonzept vorzulegen. Die
oberösterreichische Kasse kooperiert mit diesem Anbieter seit geraumer
Zeit." Dies geschehe, um das Konzept mit den Vorstellungen des steirischen
Psychotherapeutenverbandes vergleichen zu können. Spindelberger: "Das wird
ja wohl noch erlaubt sein, Vergleichsangebote zu studieren." Die
Klagsandrohung ist für Spindelberger "keine adäquate Reaktion".
Spindelberger - selbst hoher Funktionär des Gewerkschaftsbundes - kann auch
"keine schiefe Optik darin erkennen, dass der ÖGB Mitglied des Vereines ist,
der uns nun ein Angebot vorlegen soll".
Genau dieser Umstand ist aber ein
weiterer Kritikpunkt der steirischen Psychotherapeuten. "Dem Verein würden
nach dem aktuellen Tarifmodell sechzehn Millionen Schilling bleiben, nachdem
er die Honorare an die Psychotherapeuten ausbezahlt hat", zitiert Erich
Christian Schenk eine interne Berechnung des Landesverbandes. Verhandlungen
über Tarife habe es noch gar keine gegeben, entgegnet Spindelberger. "Mitte
Februar liegt das Papier aus Oberösterreich vor, dann ist auch ein Gespräch
mit dem Landesverband vereinbart."
Dabei sollte es Psychotherapie auf
Krankenschein laut Gesetz schon seit 1991 geben. Verhandlungen auf
Bundesebene sind nach einer Ablehnung des Hauptverbandes der
Sozialversicherungsträger nach fast zehn Jahren im April 2000 gescheitert.
Bisher gibt es nur in Wien und Tirol Verträge auf Landesebene.
Es war in greifbarer Nähe - jetzt ist es wieder in weiter Ferne. Seit
nunmehr zehn Jahren basteln die Krankenkassen und Psychotherapeuten in
Österreich an einem Gesamtvertrag, der beinhaltet, dass künftig
psychotherapeutische Behandlungen auch auf Krankenschein möglich sind.
Derzeit scheint das aber Zukunftsmusik zu sein. Die Verhandlungen mit dem
Hauptverband der Sozialversicherungsträger sind im April in allerletzter
Sekunde gescheitert. Hauptsächlich wurden finanzielle Gründe angeführt. Wie
es jetzt weitergehen wird, ist ungewiss.
"Wir hoffen noch immer, dass die Kassen einlenken", meint Paul Pass,
Vorsitzender des steirischen Landesverbandes für Psychotherapie. "Wir
bemühen uns jedenfalls, mit der Kassa in der Steiermark eine regionale
Lösung zu finden."
Der steirische Gesundheitslandesrat Günter Dörflinger sieht derzeit
jedenfalls keine Möglichkeit, Psychotherapie auf Krankenschein über die
Kassen zu realisieren. Wenn die steirische Gebietskrankenkasse schon ihre
jetzigen Leistungen nicht finanzieren könne, so Dörflinger, sei es "frivol",
von ihr zusätzliche Leistungen einzufordern.
Dörflinger geht aber einen anderen Weg. Ob dieser Erfolg versprechend ist,
ist eine andere Frage: Er hat sich direkt an Gesundheitsstaatssekretär
Reinhart Waneck gewandt und für die Steiermark eine Sonderfinanzierung des
Bundes gefordert. Andere Lösungen verweist Dörflinger derzeit ins "Reich der
Träume".
Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger ist derzeit dabei, einen
"Aufbau alternativer Versorgungsstrukturen" zu organisieren. Verhandelt wird
nicht mehr mit den Psychotherapeuten, sondern mit medizinischen Zentren, die
auch psychotherapeutische Behandlungen anbieten. Abteilungsleiter Peter
Scholz: "Dieses Modell hat sich in anderen Bundesländern bereits bewährt."
Dass man sich mit den niedergelassenen Psychotherapeuten an einen Tisch
setzt, ist laut Scholz derzeit in weiter Ferne.
Eine neuerliche Hiobsbotschaft gab es dieser Tage für den geplanten Gesundheitspark
in Bad Aussee. Zumindest die im Projekt vorgesehene Privatklinik für psychosomatische
Erkrankungen des deutschen Spezialisten Dr. Rother scheint vorerst in weite Ferne
gerückt.
Schlechte Nachrichten. "Überbringer" der für die Bad
Ausseer Stadtväter extrem unerfreulichen Nachricht war der Generaldirektor
des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Josef Probst, der zum Gesundheitspark
erstmals klare Worte fand. Er halte, erklärte Probst in einem ORF-Interview,
das Projekt zwar für spannend und interessant, aber neue Behandlungsmethoden
und Psychotherapie im Krankenhaus, "das können sich die Krankenkassen
nicht leisten". Bestätigt. Der steirische Spitalslandesrat Günter
Dörflinger sieht sich durch die jüngste Wende in Sachen Gesundheitspark
bestätigt: "So wie es jetzt aussieht, war es richtig, das Modul ,Neubau
Landeskrankenhaus Bad Aussee' vorzuziehen. Das Land hat mit dieser Entscheidung
endlich Bewegung in die Sache gebracht." Dörflinger hatte vor rund einem
Monat - die Kleine Zeitung berichtete - angekündigt, den dringend benötigten
Neubau des LKH Bad Aussee unabhängig von der Realisierung des Gesundheitsparkes
umsetzen zu wollen. Für den Spitalsbau mit geschätzten Gesamtkosten von
rund 300 Millionen Schilling gibt es mittlerweile auch einen entsprechenden Grundsatzbeschluss
des Landes. Günter Dörflinger will aber trotz der ablehnenden Haltung
des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger auch weiter am geplanten Gesundheitspark
in Bad Aussee festhalten: "Ich kann die jetzige Aussage des Hauptverbandes
nur zur Kenntnis nehmen. Für das Land Steiermark bleibt trotzdem der Gesundheitspark
für Bad Aussee als Gesamtprojekt ein wesentliches Ziel."
Bereits seit zehn Jahren steht in Österreich
ein Vertrag zwischen Psychotherapeuten und den Krankenkassen zur Debatte. Zuerst
wollten die Therapeuten nicht, als diese sich endlich zusammengerauft hatten, schossen
letztlich einige Kassen quer. Faktum ist, dass der Vertrag, wie berichtet, im letzten
Moment wieder nicht zustande kam.
Das bedauert jetzt auch der Präsident der Österreichischen Ärztekammer,
Otto Pjeta. Zuerst spricht Pjeta noch kurz vom Anspruch der Bevölkerung auf
ganzheitliche Gesundheitsbetreuung, kommt dann aber zum Punkt: In Österreich
gebe es 639 Ärzte in Ordinationen, die über eine hohe Qualifikation in
Psychotherapie verfügen würden. Nur ein Teil davon hätte allerdings
einen Kassenvertrag.
Nichts für ungut, Herr Doktor, aber um die Frage der Versorgung von möglichst
vielen Ärzten mit Kassenverträgen kann es sich in dieser Diskussion wohl
nicht drehen. Zumal der Ärzte-Präsident auch einen nicht unwesentlichen
Punkt zu übersehen scheint: Die Kassen sind finanziell bekanntlich dermaßen
ausgeblutet, dass dort ohnehin nicht mehr viel "abzuzapfen" ist.
Beim Thema Psychotherapie auf Krankenschein kann es nur um eine Gruppe gehen: um
jene Patienten, die sich eine notwendige Psychotherapie schlichtweg nicht leisten
können.
Psychotherapie auf Krankenschein war bereits
in absoluter Griffweite. Wer zu einem Psychotherapeuten geht, muss aber weiterhin
- mitunter tief - in die eigene Tasche greifen: Die Verhandlungen mit dem Hauptverband
der Sozialversicherungsträger sind nämlich in der Nacht auf Mittwoch nach
heftigen Debatten gescheitert. "Und zwar an der politischen Wetterlage",
wie Paul Pass, Vorsitzender des Steirischen Landesverbandes der Psychotherapeuten,
kritisiert. Die "schwarzen" Kassen Tirol, Vorarlberg, die Beamtenversicherungsanstalt
und die Bauernkassen hätten nämlich gegen die eigene Leitung des Hauptverbandes
mit "Nein" gestimmt. Hauptsächlich wurden finanzielle Gründe
angeführt. Einige Kassen argumentierten, dass sie eigene Modelle hätten.
Pass ortet nach dem Scheitern des Vertrages drei Verlierer: "Die Patienten,
die bereits fix mit diesem Vertrag gerechnet haben. Die Psychotherapeuten, die als
Kassentherapeuten einen festen Platz im Gesundheitssystem erhalten hätten sollen."
Und nicht zuletzt die Kassen selbst. Die, so Pass, hätten die Chance vergeben,
sich durch eine ambulante psychische Gesundheitsversorgung lange und kostspielige
Spitalsaufenthalte zu ersparen.
Die Psychotherapeuten hoffen jetzt, dass die Verhandlungen auf regionaler Ebene
weitergehen.
"Das Porträt des Begründers der modernen Psychotherapie, Siegmund
Freud, ist in Österreich überall im Umlauf, auf der 50-Schilling-Banknote
nämlich", ätzt Paul Pass. "Der Zugang zur Psychotherapie wird
den Menschen aber weiterhin erschwert."
Die jahrelangen Bemühungen um ein Konzept,
das Psychotherapie auf Krankenschein ermöglicht, scheinen kein positives Ergebnis
zu zeitigen. Die Krankenkassen konnten sich in ihrer jüngsten Verbandskonferenz
nicht auf den Abschluss eines österreichweiten Vertrages mit den Therapeuten
einigen.
"Das erfüllt uns nicht mit Freude", zeigte sich Gesundheitsstaatssekretär
Reinhart Waneck am Donnerstag wenig begeistert über das Scheitern. Sein Pressesprecher
Martin Glier teilte mit, dass es kommende Woche in einer Unterredung zwischen Waneck
und dem Präsidenten des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger,
Hans Sallmutter, auch um dieses Thema gehen wird. Der Staatssekretär werde
versuchen, dahingehend einzuwirken, dass vielleicht doch noch eine Lösung gefunden
werde.
Diese dürfte, falls es sie jemals gibt, aber noch längere Zeit auf sich
warten lassen. "Präsident Sallmutter wollte den Vertrag, aber es hat im
Hauptverband keine Mehrheit dafür gegeben", betonte eine Verbands-Sprecherin.
Sie bestätigte, dass es die erste derartige Abstimmung innerhalb der Vereinigung
gewesen ist. Am vergangenen Dienstag fehlten die Stimmen zweier Mitglieder auf die
erforderliche Mehrheit von 19 Befürwortern. Grundsätzlich sei es aber
möglich, dass die Angelegenheit noch einmal auf die Tagesordnung komme, hieß
es beim Hauptverband.
Lange Zeit war innerhalb des Österreichischen Berufsverbandes für Psychotherapie
(ÖBVP) um die Annahme des Vertragsangebots gerungen worden. Kritik gab es unter
anderem am Honorar sowie an den Ausbildungs- und Praxisvoraussetzungen, von denen
der Hauptverband die Erteilung eines Kassenvertrages abhängig gemacht hatte.
Zuletzt sorgten jedoch bereits die Kassen selbst für Verzögerungen. Im
März dieses Jahres wurde die Abstimmung über einen Gesamtvertrag von der
Tagesordnung der zuständigen Sitzung genommen. Das es jetzt sogar zu einer
Ablehnung gekommen ist, stieß beim Präsidenten des ÖBVP, Alfred
Pritz, auf Unverständnis. Er forderte die Kassen in einer Aussendung auf, Psychotherapie
auf Krankenschein nun in Form von Einzelverträgen umzusetzen.
Seit nunmehr fast zehn Jahren wird in Österreich um Psychotherapie auf Krankenschein
gepokert. In der Vorwoche hätte es endlich zum Vertragsabschluss zwischen dem
Hauptverband der Sozialversicherungsträger und dem Bundesverband für Psychotherapie
kommen sollen, doch die Vereinbarung platzte in letzter Sekunde. Auf Druck einiger
Krankenkassen wurde dieser Punkt einfach von der Tagesordnung genommen. Jetzt heißt
es für die Patienten weiterhin "bitte warten". Peter Scholz vom Hauptverband
der Sozialversicherungsträger führt gegenüber der Kleinen Zeitung
drei Gründe an, warum es doch nicht zum Abschluss des unterschriftsreifen Vertrages
gekommen ist. Erstens hätten die Krankenkassen Tirol und Vorarlberg nicht zugestimmt.
Zudem sei die finanzielle Situation der Krankenkassen im Allgemeinen derzeit äußerst
prekär. "Und außerdem waren wir über das Vorgehen der Psychotherapeuten
verunsichert." Damit spielt Scholz auf eine Resolution an, die die Psychotherapeuten
verabschiedet haben und worin auf die Schwachpunkte des Vertrages hingewiesen wurde.
Diese Resolution wurde später zwar wieder zurückgenommen, die Kassen waren
offenbar dennoch "verschnupft".
Dass der Vertrag weder für die Therapeuten noch für die Patienten "wirklich
gut" ist, dieser Meinung ist auch Erich Schenk vom Steirischen Landesverband
der Psychotherapeuten. "Von den Therapeuten werden zum Beispiel hohe Zusatzanforderungen
auf dem Gebiet der Psychiatrie gefordert, und das ist einfach nicht einsichtig.
Ein Psychotherapeut ist ja schließlich kein Psychiater und soll diesen auch
nicht ersetzen." Und für die Patienten sei der Vertrag deshalb nicht optimal,
weil von einer flächendeckenden Versorgung keine Rede sein könne. In der
Steiermark etwa ist vorgesehen, dass nur 41 Psychotherapeuten einen Kassenvertrag
erhalten.
"Aber", so Schenk", "ein schlechter Vertrag ist besser als gar
keiner." Wie notwendig psychotherapeutische Behandlung auf Krankenschein wäre,
belegen einige Zahlen. Schätzungen zufolge würde ein Viertel aller Österreicher
eine Behandlung benötigen. Eine Therapie dauert durchschnittlich 40 Stunden,
eine Stunde kostet rund tausend Schilling. Schenk: "Und das können sich
viele Menschen schlicht und einfach nicht leisten. Die gehen dann halt zum Hausarzt
und lassen sich irgendwelche Tabletten verschreiben."
Alfred Pritz, der Präsident des Österreichischen Bundesverbandes für
Psychotherapie, ist zuversichtlich, dass es doch noch zu einem Vertragsabschluss
kommen wird. "Am 25. April findet die Abstimmung statt und ich glaube, dass
es dann zu einer Einigung kommen wird." Für Pritz ist es "unverständlich,
warum die Kassen überhaupt so lange zuwarten". Das finanzielle Argument
lässt er nicht gelten. "Man braucht nur mittelfristig zu denken, um zu
erkennen, dass man mit einer guten psychotherapeutischen Versorgung sogar Geld spart.
Es würde weniger Frühpensionisten geben, der Medikamentenbedarf würde
sich reduzieren, außerdem gäbe es weniger Krankenhausaufenthalte."
Der Hauptverband sieht das freilich anders: Bisher würde man jährlich
rund 350 Millionen Schilling für die Refundierung von Honoraren aufwenden,
bei Realisierung des Vertrages dürften es dann rund 700 Millionen Schilling
sein.
Österreichweit sollen, sofern der Vertrag zustande kommt, 415 Therapeuten einen
Kassenvertrag erhalten. "Das klingt nicht viel", meint Alfred Pritz. "Aber
wenn der Bedarf gegeben ist, und davon kann man ausgehen, wird es hoffentlich eine
Aufstockung geben."
Psychotherapie auf Krankenschein heißt:
Ich werde behandelt und muss nichts bezahlen. Aber viele Menschen werden sich jetzt
keine Psychotherapie mehr leisten können, denn von den rund 500 steirischen
Psychotherapeuten, die bisher zur Verfügung standen, wird nur noch ca. ein
Fünftel mit den Kassen rückverrechnen dürfen. Dieses Fünftel
wird für die Klienten erschwinglicher als bisher. Bei den restlichen vier Fünfteln
kostet Psychotherapie dann zwar auch nicht mehr als eine Handwerkerstunde, ist aber
dennoch für viele nicht leistbar. Zu erwartende Effekte: Kassen- und Wahltherapeuten
ausgebucht über Monate, lange Wartezeiten. Andere Therapeuten: großes
Angebot, zu geringe Nachfrage.
Ulrike Kirchpal, Eggersdorf