OTS233 5 CI 0391 NEB003 II 02.Mai 01
Wien (OTS) - Die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) hatte
bis vor wenigen Tagen auf ihren allgemein zugänglichen Internetseiten über
längere Zeit ein Rundschreiben an Vertragsärzte veröffentlicht, in dem zahlreiche
PatientInnen unter voller Nennung von Namen, Adresse und Versicherungsnummer
beschuldigt wurden, sich Rezepte erschleichen (Suchtkranke) oder sich ohne
Versicherung ärztliche Hilfe verschaffen zu wollen (Ausländerin mit unerfülltem
Kinderwunsch). Das Bekanntwerden dieses Sachverhalts gab auch Anlaß zu Diskussionen
auf der Homepage des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP).
Die WGKK reagierte darauf, indem sie diese Internetseite still und heimlich
verschwinden ließ.
Der ÖBVP, die berufsständische Vertretung der PsychotherapeutInnen, will und
darf dazu nicht schweigen! Es gilt diese Diskriminierung zu benennen und auch
öffentlich zu machen. Gerade als PsychotherapeutInnen müssen wir aus Verantwortung
gegenüber Menschen mit psychischen Leiden, mit denen wir arbeiten, handeln:
Es gibt Verhaltensweisen bzw. Befindlichkeiten im Zusammenhang mit psychischen
Leiden, die bedauerlicherweise immer noch von der Gesellschaft belächelt,
ausgegrenzt und diffamiert werden. Dieser jüngste Vorfall zeigt, wie schnell
und leichtfertig genau diese Aspekte von Krankheitsbildern dann in sanktionierenden
öffentlichen "Warnungen" an den Pranger gestellt werden.
Die Gewährleistung von Datenschutz im Zusammenhang mit Psychotherapie:
Die Mißachtung des Datenschutzes von seiten der WGKK bestätigt
die Verhandlungslinie des ÖBVP: Bei der Verankerung von Psychotherapie im
Gesundheitswesen müssen wesentliche Momente psychotherapeutischer Behandlung
berücksichtigt und somit auch gesichert werden: Psychotherapie braucht den
geschützten "therapeutischen Raum" - wie dies auch in der gesetzlichen Schweigepflicht
der PsychotherapeutInnen eindeutig verankert ist und garantiert wird. Es bedarf
aber auch äußerster Zurückhaltung und eines verantwortlichen Umgangs mit personenbezogenem
Datenmaterial seitens der Krankenkassen. Es ist gerade das einseitige und
überzogene Kontrollbedürfnis der Kassen, das uns über die letzten Jahre immer
wieder mit neuen Forderungen nach Sammeln von Daten und Therapieangaben konfrontiert
hat, und das im Namen einer fragwürdigen "Qualitätssicherung". Sachlich sinnvolle
Bestrebungen zur Qualitätssicherung in der Psychotherapie einerseits und reine
Datensammelei bei den Krankenkassen zu Kontrollzwecken andererseits sind miteinander
nicht vereinbar und bedürfen einer klaren Trennung.
In diesem Sinne müssen die Verantwortlichen in den Kassen zu einem längst
fälligen Umdenken angehalten werden: Statt blinder Kontrollwut braucht es
ein Verständnis für tatsächliche Anforderungen moderner Gesundheitspolitik
und im Fall der Psychotherapie das Etablieren von Rahmenbedingungen, die eine
nach fachlichen Standards förderliche therapeutische Beziehung ermöglichen.
Rückfragehinweis:
Dr. Margret Aull
Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie
Für Nachfragen erreichbar unter: 0676/727 727 0
OTS034 05.April 01
Wien (OTS) - Psychische Gesundheit bedarf - so wie die
physische - entsprechend gesunder Umweltbedingungen. Psychische Probleme als
Antwort auf krankmachende Situationen und Bedingungen müssen als durchaus
"gesunde" Reaktion verstanden werden. Tag für Tag erfahren PsychotherapeutInnen
in der Praxis, dass Ängste, schmerzliche Konflikte, Verzweiflung, Gefühle
der Ohnmacht ... Reaktionen auf belastende und schwierige Lebensumstände sind.
Dies zuzulassen und dafür psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen ist
ein sehr kompetentes Verhalten.
Psychische Fitness um jeden Preis?
Auf gesellschaftlicher Ebene ist eine Haltung gefährlich, die all diese zutiefst
menschlichen Regungen leugnet. Psychische Fitheit um jeden Preis heißt dann
das Schlagwort und wir gaukeln uns auch vor, dass diese effizient zu erreichen
sei. Real Beängstigendes wie z.B. Umweltprobleme, Entsolidarisierung wird
bagatellisierend verleugnet, menschliche Schwächen und die Angst vor Krankheit
oder Tod verdrängt und tabuisiert. Zu verstehen, wessen Seele worauf wie reagiert
und was individuell eine annehmbare Lösung bedeutet, bedarf eines auf den
einzelnen Menschen eingehenden Prozesses.
Dies leistet Psychotherapie - ein selbstbewußter Weg zur Gesundheit.
ÖBVP
Rückfragehinweis:
Dr. Margret Aull
Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie
Für Nachfragen erreichbar unter: 0676/727 727 0