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Klage wegen Therapiestunden-Vergabe
Psychotherapeuten vs. Wiener Kasse


8.2.01

Seit etwa einem Jahrzehnt gehört die Psychotherapie in Österreich zu einem der großen Streitthemen. Jetzt klagt der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK).

Zuerst war es der rechtliche Status der Therapeuten, dann die Bezahlung der Behandlung durch die Krankenkassen. Nun beschuldigt der Bundesverband für Psychotherapie die WGKK gegen das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz (ASVG) verstoßen zu haben. Dabei geht unter anderem um die Vergabe von 70.000 Therapiestunden, an zwei in Wien tätige Psychotherapie-Vereine. "Durch die 'Vereinslösung' wird das ASVG auf mehreren Ebenen umgangen", erklärte Eva Mückstein, Vizepräsidentin des ÖBVP. Es gäbe laut Gesetz nur die Möglichkeit für einen Gesamtvertrag der Krankenkassen mit den Psychotherapeuten oder Einzelverträge der Kassen mit Therapeuten.

Der Hintergrund: Eine geplatzte Einigung zwischen Therapeuten und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger über einen Gesamtvertrag über Psychotherapie auf Kassenschein ließ einzelne Gebietskrankenkassen aktiv werden - so auch die WGKK. Psychotherapeuten, die nicht mit den Vereinen kooperieren, würden benachteiligt.

Der ÖBVP fordert, dass Therapeuten - ähnlich wie Wahlärzte - die Möglichkeit haben, dass ihren Patienten 80 Prozent des Psychotherapiekassentarifs rückerstattet werden. Weiters sollen, wenn ein Gesamtvertrag unmöglich ist, Einzelverträge mit Therapeuten abgeschlossen werden. Außerdem sei die Zahl von 70.000 bereitgestellte Therapiestunden zu wenig.


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Psychotherapie auf Krankenschein in Wien bereits Realität
Seelenheil auch für die Armen


12.1.01
Von Matthias G. Bernold

Nach langen Jahren zähen Verhandelns ist es endlich soweit: Die Wiener Gebietskrankenkasse hat mit zwei psychotherapeutischen Vereinigungen Verträge geschlossen, so dass es mit Anfang dieses Jahres - in der Bundeshauptstadt - Psychotherapie auf Krankenschein ohne Selbstbehalt gibt. Eine bundesweite Lösung ist bislang noch nicht in Sicht.
Auch der Zuschuss der Krankenkassa von 300 S pro Therapiestunde konnte bisher nichts daran ändern, dass Psychotherapie eher ein Privileg der finanziell Begüterten war. 1.000 S und mehr pro Therapiestunde waren für sozial Schwache ein unbezahlbarer Luxus.
Mit der Psychotherapie auf Krankenschein, ganz ohne Selbstbehalt, wird diesem Zustand in Wien ein jähes Ende gesetzt. "Ich halte die erzielte Einigung für einen sozialpolitischen Meilenstein," gibt sich Franz Bittner, der Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse stolz. Zudem habe man mit dem Wiener Modell einen ersten Schritt in Richtung eines bundesweiten Gesamtvertrages gesetzt.
Momentan sind zwei psychotherapeutische Vereinigungen, der "Verein für ambulante Psychotherapie" und die "Wiener Gesellschaft für psychotherapeutische Versorgung", in das Konzept eingebunden, mit der Ärztekammer wird derzeit noch verhandelt. Die Einigung dürfte aber - nach Auskunft des Wiener Ärztekammer-Präsidenten Walter Dorner - noch bis Ende Jänner über die Bühne gehen. Dorner auf Anfrage der "Wiener Zeitung": "Wir werden eine ähnliche Regelung in unseren Gremien beschließen." Er begrüße die Einigung, nicht zuletzt weil sie geeignet sei "Gräben zwischen Psychotherapeuten und Ärzten einzuebnen". In den neuen Verträgen ist ein Therapieangebot von vorerst 70.000 Stunden vorgesehen.

ÖBVP kritisiert Lösung als "Alibi-Kleinstversorgung"

Daneben gibt es weiterhin die Möglichkeit, eine Therapie in eigenen Einrichtungen der WGKK, durch Vertragsärzte und in Spitalsambulanzen in Anspruch zu nehmen, so dass den Wiener Versicherten heuer insgesamt rund 150.000 Stunden zu Verfügung stehen werden. Getrübt wird die Freude über die geschlossene Vereinbarung vor allem durch ihre regionale Beschränktheit. So setzte es harsche Kritik von seiten des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP), wo man die Vorgangsweise der Kassen als einen Skandal bezeichnet: "Im Vorjahr haben die Sozialversicherungsträger eine nicht tragfähige bundesweite Kassenvertragslösung angeboten und diese selbst in ihrer Verbandskonferenz abgelehnt. Seither werden in den Bundesländern Alibi-Kleinstversorgungslösungen verhandelt, um den Gesamtvertrag, zu dem die Kassen laut Gesetz verpflichtet sind, zu umgehen."
Tatsächlich ist eine bundesweite Lösung bisher am Widerstand einzelner Landeskassen (Tirol, Vorarlberg, Krankenkasse der Bauern) gescheitert, die auf eigene Therapie-Modelle oder schlicht auf Geldmangel verweisen. Für WGKK-Chef Bittner eine Verstoß gegen den gesetzlichen Auftrag: "Ich halte das für eine Rechtsbeugung, die nicht im Sinne der Patienten ist."

Tirol und Vorarlberg verteidigen eigene Modelle

Johannes Simma von der Vorarlberger Gebietskrankenkasse hält entgegen, dass man sich im Ländle "keine Lösung auf's Aug drücken lassen will, die nicht den Anforderungen entspricht und zudem mehr kostet". Man habe entsprechende Psychotherapie-Vereinbarungen schon seit über zehn Jahren, diese hätten sich bewährt und sollten auch beibehalten werden.
Bleibt zu hoffen, dass sich trotz aller Querelen doch irgendwann eine Lösung im Sinne der österreichischen Patienten findet. Immerhin ist, Schätzungen zufolge, jeder zehnte Österreicher therapiebedürftig.


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Neustrukturierung des Gesundheitswesens
Mehr Pflege- aber weniger Akutbetten


30.11.2000

Spitäler werden keine geschlossen, es kommt aber zu einer Umschichtung von Akutbetten zu Pflegebetten.
Dies ist das Ergebnis der Verhandlungen zum Österreichischen Krankenanstaltenplan (ÖKAP), das gestern im Ministerrat von Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer bekannt gegeben wurde. Konkret soll es rund 1.000 Akutbetten weniger bis 2005 geben. Die letzte ausgewiesene Zahl hatte bei den Akutbetten über 52.000 gelautet. Dafür ist eine Aufstockung der Akutgeriatriebetten auf 2.010, ferner 300 zusätzliche Palliativbetten (Schmerzmedizin) und die Schaffung von 500 Betten für Psychosomatik und Psychotherapie vorgesehen.
Riess-Passer zeigte sich im Pressefoyer besonders darüber erfreut, dass kein einziges Spital geschlossen werde. Es sei gelungen, durch Strukturmaßnahmen entsprechende Schritte zu setzen und sogar noch das Leistungsangebot auszuweiten. Insgesamt könne man sagen, dass "eine deutliche Qualitätsverbesserung im Bereich der Gesundheitssicherung" gelungen sei, so die Vizekanzlerin.
Von den 72.078 tatsächlichen Gesamtbetten in 330 Krankenanstalten waren 52.299 Akutbetten und 19.979 Pflegebetten. Von den Akutbetten wiederum waren 1.403 Intensivbetten. Was die neue Aufteilung nach Bundesländern betrifft, soll es noch Detailverhandlungen geben.


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Alle Therapierichtungen in Wien möglich
Psychotherapie auf Schein


6.11.2000

Seit 1. Dezember 2000 stehen in Wien 100 Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten für Psychotherapie auf Krankenschein bereit. Auf Initiative des Berufsverbandes Österreichischer Psychologinnen und Psychologen wurde der Verein für ambulante Psychotherapie gegründet, der in den letzten Monaten einen Vertrag mit der Wiener Gebietskrankenkasse verhandelt und jetzt abgeschlossen hat.
Nunmehr haben auch Bevölkerungsgruppen, die bisher kaum Zugang zur Psychotherapie hatten, die Möglichkeit, Psychotherapie als Leistung der Sozialversicherung in Anspruch zu nehmen. Patienten können sich wegen psychotherapeutischer Behandlung direkt an den Verein wenden, ebenso Angehörige anderer Gesundheitsberufe (Ärzte, Psychologen usw.), welche ihren Patienten Psychotherapie empfehlen. Als besonderes Service sind beim Verein jederzeit die aktuellen freien Therapieplätze abrufbar.
Der Vorstand des Vereins für ambulante Psychotherapie begrüßt diesen ersten Schritt zu einer umfassenden ambulanten Versorgung mit Psychotherapie als einen Meilenstein der österreichischen Sozialpolitik.
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sind gemäß den Bestimmungen des österreichischen Psychotherapiegesetzes ausgebildet und vertreten alle Therapierichtungen.
Ein Folder mit Informationen und einer Liste der Vertragspsychotherapeutinnen und Vertragspsychotherapeuten kann unter der Telefonnummer 01/ 402 56 96 angefordert werden. Informationen geben Dr. Senta Feselmayer, Dr. Christine Butschek und Dr. Peter Brezovsky unter 01/407 26 71-17.


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Psychotherapie-Messe "Seeliges Wien" im Rathaus
Hilfe gegen Depressionen

23.10.2000

Zwei Millionen Packungen Antidepressiva wurden 1999 verkauft. Österreichweit betraf die jährliche Steigerungsrate mehr als 14 Prozent. Jeder sechste Österreicher leidet heutzutage mindestens einmal unter Depressionen. Dennoch bekommen Betroffene oft gar keine oder nur die falsche Hilfe. Depressionen, oft auch Angstzustände, werden zu spät erkannt.
Der Verkauf von Psychopharmaka kostet die Krankenkassen insgesamt mehr als eine Mrd. Schilling. Würde der Patient hingegen gleich einer adäquaten psychotherapeutischen Behandlung zugewiesen, könnte das Gesundheitswesen Millionen Schilling sparen. Das rechtzeitige Erkennen von psychischem Leiden muß nicht nur deshalb in Österreich dringend gefördert werden.
Eine Möglichkeit dazu bietet die vom Wiener Landesverband für Psychotherapie organisierte Messe für Psychotherapie "Seeliges Wien" am 28. Oktober in der Volkshalle des Wiener Rathauses von 9.00 bis 18.00 Uhr. Bei freiem Eintritt kann sich jeder unverbindlich über die unterschiedlichen Behandlungsmethoden informieren und mit Therapeuten sprechen.


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