Sektion Psychotherapie der

Gesellschaft für Gestalttheorie und ihre Anwendungen (GTA)

SOCIETY FOR GESTALT THEORY AND ITS APPLICATIONS (GTA)

Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Gestalttheoretische Psychotherapie (DAGP/GTA)
Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Gestalttheoretische Psychotherapie (ÖAGP/GTA)

 

Dieter Zabransky und Marianne Soff

Einführung in die Grundlagen Gestalttheoretischer Psychotherapie

© Dieter Zabransky und Marianne Soff, 1998


 

Einleitung

Die Gestalttheoretische Psychotherapie (Hans-Jürgen WALTER) ist als methodenintegrativer psychotherapeutischer Ansatz aus der "Berliner Schule der Gestalttheorie" hervorgegangen, die als akademische Richtung der Psychologie zu Beginn unseres Jahrhunderts begründet worden ist. Die Gestalttheorie bietet eine konsistente und empirisch-experimentell abgesicherte theoretische Perspektive für ein differenziertes Verständnis der Dynamik psychischer und psychosomatischer Vorgänge und für den Umgang mit intrapersonalen wie interpersonalen psychotherapeutischen Prozessen. 1

Die Gestalttheoretische Psychotherapie hat sich seit nunmehr zwanzig Jahren als fruchtbarer Rahmen für notwendige Revisionen und Weiterentwicklungen des gestalt-therapeutischen Ansatzes erwiesen. Zu ihrer Begründung stellt WALTER fest:

"Gerade, daß Fritz PERLS das Besondere der Gestalt-Therapie als durch die gestalttheoretische Psychologie begründet ansah, rechtfertigt die Entscheidung, nicht mehr einfach von Gestalt-Therapie zu sprechen. Denn leider ist dies von vielen seiner Schüler gründlich mißachtet worden. Man machte es sich vielfach allzu leicht, indem man Gestalt-Therapie als therapeutische Methode und Theorie sui generis, erfunden und gelehrt von einem einzigen Menschen, betrachtete und anschließend bedenkenlos von ihrem erkenntnistheoretischen und psychologiegeschichtlichen Hintergrund abkoppelte. So kam es dazu, daß ihr schließlich unter dem Deckmantel theoretischer Weiterentwicklung ganz andere Grundlagen unterschoben oder, will man es freundlicher sagen, angedichtet wurden, oft schlicht, weil die Verfasser solcher Texte zwar die Praxis der Gestalt-Therapie kennengelernt hatten, die gestalttheoretische Psychologie aber kaum kannten und sich auch nicht die Mühe machten, sich näher mit ihr zu beschäftigen" (WALTER, 1994).

An anderer Stelle führt WALTER aus:

"Es wird belegt, daß die entscheidenden Konzepte, die PERLS seiner Kritik an der. Psychoanalyse, von der er herkommt, und seinem eigenen Ansatz zugrundelegt, der Gestalttheorie entstammen. Und daß es einer Verleugnung eigener zentraler Positionen gleichkäme, würde sich die Gestalttheorie von der Gestalt-Therapie des Fritz PERLS distanzieren". Und: "Zur Abgrenzung von im Anschluß an (mit erkenntnistheoretischen Mängeln behaftete) theoretische Äußerungen PERLS' entstandenes "Gestaltgeschwätz" wird die Verwendung der Bezeichnung "gestalttheoretische Psychotherapie" vorgeschlagen" (WALTER, 1984).

Gestalttheoretische Psychotherapie ist offen für alle psychotherapeutischen Methoden und Schulrichtungen, soweit sie mit den differenzierten ganzheitlichen Sicht- und Forschungsweisen der gestalttheoretischen Psychologie vereinbar sind. Diese wird als Forschungsansatz verstanden, der phänomenologische, systemtheoretische und psychophysische Sichtweisen erkenntnistheoretisch und methodisch integriert. Insbesondere auf Grund ihres ausgearbeiteten erkenntnistheoretischen Standortes 2 bietet die Gestalttheorie als Metatheorie die Möglichkeit der methodischen Integration unterschiedlicher psychotherapeutischer Ansätze (vgl. WALTER, 1985a, 1994).

In diesem Beitrag soll im Anschluß an eine kurze historische Darstellung zur Entwicklung der Gestalttheoretischen Psychotherapie auf wesentliche gestalttheoretische Grundlagen und auf grundlegende Aspekte gestalttheoretisch-psychotherapeutischer Methodik eingegangen werden.


Fußnoten:

1 vgl. u.a. GOLDSTEIN 1963, KÖHLER 1968, KOFFKA 1966, LEWIN 1963, 1968, 1969, METZGER 1962, 1975a, WERTHEIMER 1964, 1967
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2 vgl. zum Kritischen Realismus das Kap. 3.2.
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