Dr. Hans-Jürgen P. Walter

Dipl.-Psychologe, Psychotherapeut (Gestalttheoretische Psychotherapie), Supervisor, Klinischer und Gesundheitspsychologe

Begründer der Gestalttheoretischen Psychotherapie


Die nachfolgenden Angaben entsprechen dem Beitrag von G. Stemberger zur Person von Hans-Jürgen WALTER im demnächst erscheinenden Personenlexikon der Psychotherapie (Hrsg. G. STUMM & A. PRITZ, Verlag Springer, Wien 2005).

Stationen seines Lebens:

geb. 25.3.1944 in Weidenhausen, Kreis Biedenkopf an der Lahn, Deutschland

1965-71 Studium der Psychologie, zunächst auch der Germanistik, in Marburg und Frankfurt/M.; 1977 Promotion in Darmstadt ("Die Gestalttheorie als wissenschaftliche Grundlage psychotherapeutischer Praxis und ihre Beziehung zu psychotherapeutischen Ansätzen der Gegenwart")

1971-73 Psychotherapeut und stellvertretender Leiter in einer Heilstätte für Suchtkranke und Drogenabhängige

1973-79 verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift "Gruppendynamik" und Lektor für Sozialpsychologie und Psychotherapie im Verlag Klett-Cotta

maßgeblicher Initiator und Mitbegründer (nunmehr Ehrenvorsitzender) der 1978 ins Leben gerufenen internationalen wissenschaftlichen Gesellschaft für Gestalttheorie und ihre Anwendungen / Society for Gestalt Theory and its Applications (GTA) und ihrer multidisziplinären Zeitschrift "Gestalt Theory", die sich als führendes internationales Forum für gestalttheoretische Forschung und Anwendungspraxis etabliert hat

Weiterbildungen in Klientenzentrierter Psychotherapie, Psychoanalyse, Psychodrama und Themenzentrierter Interaktion (TZI) sowie Gestalttherapie am Fritz-Perls-Institut (FPI), Düsseldorf.; 1979-1985 Gestalttheoretische Psychotherapie in Österreich

seit 1980 psychotherapeutische Tätigkeit in freier Praxis in Österreich und Deutschland

Lehrtätigkeit in Deutschland und Österreich u. a. als Lehrbeauftragter für Gestalt-Therapie am Fritz Perls Institut (1975-79), als Gastdozent am C.G. Jung-Institut Stuttgart (1976-77), am Alfred Adler-Institut der "Deutschen Gesellschaft für Individualpsychologie" (1978, 1981), als Lektor am Psychologischen Institut der Universität Wien für Gestalttheoretische Psychotherapie (1986-93), vor allem (seit 1979) als Lehrtherapeut für Gestalttheoretische Psychotherapie in der GTA-Sektion Psychotherapie bzw. in der Österreichischen und Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Gestalttheoretische Psychotherapie (ÖAGP, DAGP).


Wichtige theoretische Beiträge und Orientierungen:

Hans-Jürgen P. Walter zählt zu den profiliertesten Vertretern jener Nachkriegsgeneration von Wissenschaftlern und Psychotherapeuten im deutschen Sprachraum, die der vom Nazi-Regime aus Deutschland vertriebenen "Berliner Schule der (Gestalt-)Psychologie" wieder Heimat und angemessene Geltung in Europa verschaffen.
Der Begründung und Entwicklung der Gestalttheoretischen Psychotherapie ging eine langjährige theoretische und praktische Auseinandersetzung mit verschiedenen psychotherapeutischen Ansätzen voraus. Vor ihm hatten schon andere namhafte Vertreter der Gestaltpsychologie der Berliner Schule, vor allem in den USA (Erwin Levy, Abraham S. Luchins, Erika Oppenheimer-Fromm, Molly Harrower, Junius F. Brown und andere Schüler von Kurt Lewin), wesentliche Beiträge zur Anwendung der Gestalttheorie auf psychotherapeutische Fragestellungen geleistet. Walter kommt jedoch das Verdienst zu, erstmals in stringenter Weise das theoretische und empirische Potenzial der Gestalttheorie für die Fundierung einer integrativen psychotherapeutischen Methode umfassend und originär genutzt zu haben. Er hat damit zugleich die Möglichkeit aufgezeigt, die auf Fritz Perls zurückgehende Gestalttherapie, mit der die Gestalttheoretische Psychotherapie verwandt, jedoch nicht ident ist, auf gestalttheoretischer Grundlage konsistent theoretisch zu begründen und weiterzuentwickeln. Eines der hervorstechendsten Merkmale seines Ansatzes ist die Betonung der Rolle der erkenntnistheoretischen Grundposition der Gestalttheorie, des Kritischen Realismus, für alle wesentlichen theoretischen und praktischen Fragestellungen der Psychotherapie. Damit ist die Anwendung des methodologischen Ansatzes der Gestalttheorie (des ganzheitlichen, phänomenologischen und experimentellen Vorgehens), des systemtheoretischen Ansatzes der Gestalttheorie, des spezifischen psycho-physischen und des psychologischen Ansatzes der Gestalttheorie in der Psychotherapie auf das engste verbunden. Walter macht auf dieser Grundlage auch die jahrzehntelange reiche Tradition der gestalttheoretischen experimentellen Forschung für die Psychotherapie systematisch fruchtbar. In diesem Bezugsrahmen wird auch eine konsistente Integration von Erkenntnissen verschiedener psychotherapeutischer Schulen, insbesondere der tiefenpsychologischen und der humanistisch-psychologischen Orientierung möglich.


Ausgewählte Publikationen:

(1975) Der gestalttheoretische Ansatz in der Psychotherapie. In: K Guss (Hg), Gestalttheorie und Erziehung. Darmstadt, Steinkopff, S. 227-256

(1977) Gestalttheorie und Psychotherapie. Zur integrativen Anwendung zeitgenössischer Therapieformen. Opladen: Westdeutscher Verlag (1985: 2. erweiterte Auflage; 1994: 3. Auflage)

(1977) Gestalt-Therapie, ein psychoanalytischer und gestalttheoretischer Ansatz. Gruppendynamik 1: 3-27

(1984) Was haben Gestalt-Therapie und Gestalttheorie miteinander zu tun? Gestalt Theory 6: 55-69

(1985) Gestalttheorie als klinisch-psychologische Theorie der Selbstorganisation. Gestalt Theory 7: 260-272

(1988) Sind Gestalttheorie und Theorie der Autopoiese miteinander vereinbar? Gestalt Theory 10: 57-70

(1991) (Hg) Max Wertheimer: Zur Gestaltpsychologie menschlicher Werte. Opladen: Westdeutscher Verlag

(1996) Angewandte Gestalttheorie in Psychotherapie und Psychohygiene. Opladen: Westdeutscher Verlag

(1997) Cognitive Behavior Psychotherapy and Gestalt Theoretical Psychotherapy. Gestalt! 1 (1): 17-44

(1999) What do Gestalt Therapy and Gestalt Theory have to do with each other? The Gestalt Journal, Vol. XXII, No. 1: 45-68

(2001) Zur Bedeutung der Begriffe "physikalisch", "transphänomenal" und "Wirklichkeit im 1. Sinne". Gestalt Theory 23: 102-114

(2003) "Man kann einen Unterschied nicht töten" - Zum 100. Geburtstag Karl Dunckers. Gestalt Theory 25: 7-32

(2004) Zur kartographischen Differenzierung des Ich. In: A. v. SCHLIPPE & W. Ch. KRIZ (Hrsg.), Personzentrierung und Systemtheorie. Perspektiven für psychotherapeutisches Handeln. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 134-152


Weitere bibliographische Angaben zu Hans-Juergen P. Walter

Kontakt:

Battenbergerstr. 1, D-35216 Biedenkopf, Deutschland

Wintergasse 75-77/7, A-3002 Purkersdorf, Österreich

Email: HJPWalter


Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Gestalttheoretische Psychotherapie (DAGP)

Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Gestalttheoretische Psychotherapie (ÖAGP)


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